Dämonen

"Dämonen" des Kammertheaters 55 aus Sarajevo

Das Drama „Dämonen“, geschrieben von einem der meistgespielten und bedeutendsten Dramatiker Skandinaviens Lars Norén (geb. 1944) und gespielt von den Schauspielern des Kammertheaters aus Sarajevo in bosnischer Sprache und mit englischem Untertitel, gastiert am 17.03.2019 in München.

„Dämonen“ erzählt von Liebe und Hass, Trauer, Sehnsucht, Zerstörung und Erlösung – und Seelenschlachten zwischen Mann und Frau, ihren Vernichtungskämpfen und Unterwerfungsritualen, bei denen die Grenze zwischen Täter und Opfer verschwimmt. Die Faszination von Ehedramen ist nach wie vor ungebrochen und wird von unserem Voyeurismus genährt. Auch Noréns Drama bietet dafür – auch heute noch – reichlich viel Futter.

„Entweder ich bringe dich um, oder du mich, oder wir trennen uns, oder wir machen so weiter.“ lautet Katharinas Zusammenfassung ihres Ehelebens mit Frank. Frank kommt nach Hause und ärgert sich über die Unordnung in der Wohnung. Katharina ärgert sich ebenfalls – über Frank, man tauscht kleine Gemeinheiten aus, übt sich in der Kunst, einander nicht mehr zuzuhören. Das normale Chaos einer normalen Beziehung. In der mitgebrachten Plastiktüte trägt er jedoch keine Einkäufe nach Hause, sondern die Asche seiner toten Mutter. Morgen soll die Beerdigung sein und das junge Paar erwartet an diesem Abend noch Franks Bruder. Der verschiebt seine Ankunft und nun droht ein freier Abend in trauter Zwietracht. Und da die beiden, die sich hassen bis aufs Messer und doch nicht voneinander lassen können, nicht schon wieder einen Abend einsam zu zweit in ihrer Nobel-Wohnung verbringen wollen, laden sie kurzfristig das Nachbarsehepaar ein. Damit beginnt eine Nacht ungeahnter Entgleisungen, gnadenloser Demütigungen und Provokationen. Die Gespräche drehen sich um Alltagssorgen, steigern sich zu heftigem Streit und eskalieren schließlich in einer gnadenlosen Seelenschlacht.

„Norén ist ein Großmeister des Dialogs. Die Banalitäten seiner ausgeleierten Alltagswendungen sind so raffiniert verwoben …, dass sie die unausgesprochenen Aggressionen bis in die feinsten Abschattungen verlautbaren.“

FAZ

„Der schwedische Dramatiker Lars Norén (Jahrgang 1944) beschäftigt sich seit den 80er-Jahren mit dem unaufhaltsamen Untergang des ehelichen Zusammenlebens – und setzt damit eine skandinavische Tradition fort, die mit Namen wie Strindberg, Ibsen und Bergmann verknüpft ist. „Dämonen“ ist ein klassisches Zimmerschlacht-Stück, in dem ein Ehepaar, das Lustgewinn daraus bezieht, sich gegenseitig fertig zu machen, den Besuch eines anderen Paares dazu benutzt, die Beleidigungen und Erniedrigungen auf die Spitze zu treiben.“

Berliner Morgenpost

„Ein gespenstisches Stück über die Liebe. Oder besser: Über deren Verlust.“

Süddeutsche Zeitung

Dämonen (Original: Demoner) wurde am 28.04.1984 in Stockholms Stadsteater (Regie: Carsten Brandt) uraufgeführt. Die deutschsprachige Uraufführung fand am 21.11.1984 am Schauspielhaus Bochum (Regie: Claus Peymann) statt.

Lars Norén (geb. 1944 in Stockholm) begann bereits als Jugendlicher zu schreiben. 1963 erschien sein erster Gedichtband, bis 1980 von weiteren gefolgt, außerdem drei Romanen, von denen Die Bienenväter 1973 auch auf Deutsch erschien. 1968 sendete das norwegische Fernsehen Kingsdon Hotel; das schwedische Fernsehen zeigte 1971 Amala, Kamala, und der schwedische Rundfunk strahlte 1972 das Hörspiel Box ett (Box eins) aus.

Noréns erstes Theaterstück, Fursteslickaren (Der Fürstenlecker) wurde 1973 am Stockholmer Dramaten uraufgeführt. Seither hat sich Norén als einer der bedeutendsten und meistgespielten Dramatiker Skandinaviens etabliert, dessen Werk bis heute eine Reihe ästhetischer und inhaltlicher Wandlungen durchlaufen hat. Im Juni 1994 erhielt Lars Norén in Schweden den renommierten Pilotpris, 1998 wurde er für Klinik mit dem Dramatikerpreis der Nordischen Theaterunion ausgezeichnet, 2003 mit dem Nordischen Preis der Schwedischen Akademie, und 2012 erhielt er den Lyrikpreis des Schwedischen Radios sowie den Bellman-Preis der Schwedischen Akademie.

Seit seiner Inszenierung von Strindbergs Totentanz 1993 am Dramaten arbeitet er auch als Regisseur. Von August 1998 bis Sommer 2007 war er Intendant des Riksteatern Norsborg/Stockholm. Von 2009 bis 2011 war er gemeinsam mit Ulrika Josephsson künstlerischer Leiter des Folksteatern Göteborg und ist seitdem dort Hausregisseur. Lars Norén lebt in Stockholm.

Sonntag, 17. März 18 Uhr

Anton-Fingerle-Bildungszentrum

Schlierseestraße 47, 

81539 München